„Der Corsa-e ist ein
echtes Energiebündel“

Mit einem Elektrouto auf die Langstrecke? Zu umständlich. Zu viel Planung. Zu wenige Ladestellen. Und überhaupt, das dauert doch alles zu lang. Statt in der Theorie zu schwelgen, haben es die Opel-Mitarbeiter Stephane Le Floch und Fabian Kempfer einfach mal gemacht. Sie sind mit dem Corsa-e auf große Fahrt gegangen. Mit dem Opel-Stromer ging es von Rüsselsheim ans Mittelmeer und an die Ostsee.

Die Frage der Motivation ist schnell geklärt: „Die Technik und pure Freude am Fahren mit dem Corsa-e faszinieren uns“, sagt Stephane Le Floch. „Elektrisch fahren macht einfach süchtig“, ergänzt Fabian Kempfer. Und dass, obwohl die beiden Ingenieure bei Opel gar nicht mal an E-Projekte arbeiten. Kempfer ist als „Subsystem Architect“ in der Vorausentwicklung aktiv, Le Floch als „Control Manager Program Execution“. Doch ihre Begeisterung fürs elektrische Fahren ist typisch Opelaner – Opel ist schließlich auf dem Weg zur voll-elektrifizierten Marke.

Unternehmenszentrale mit Anschluss: Fabian Kempfer (rechts) und Stephane Le Floch laden den Corsa-e direkt am Adam Opel Haus.

Die Rahmenbedingen –
alles andere als optimal

Dass beide gar keinen Corsa-e besitzen? Auch das hat sie nicht von dem Vorhaben abbringen können. Sie fragten den Program Engineering Manager Georg Schade, ob sie mit einem Modell aus der sogenannten „Capture Test Fleet“ – einer internen Testwagenflotte – ein paar Selbstversuche starten dürfen. Sie durften. Auch das – typisch Opel eben. „Bei unserer Langstreckenfahrt sind wir unter Worst Case-Bedingungen unterwegs gewesen – mitten im Winter“, erklärt Fabian Kempfer. „Bei höheren Temperaturen hätten wir deutlich größere Reichweiten pro Batterieladung geschafft.“

ROUTE 1

Stephane Le Floch tourt
nach Südfrankreich.

Stephane Le Floch entschied sich für eine Tour an die Côte d’Azur. Er teilte sich die Strecke in 89 bis 162 Kilometer lange Etappen und acht Ladestopps ein. Diese nahmen zehn bis maximal 39 Minuten in Anspruch. In Aire du Jura bei Arlay lud er seinen Akku in nur 37 Minuten zu 87 Prozent auf. Für die Nutzung dieses Superladers musste er acht Euro zahlen, wie an zwei weiteren Stationen auch – sodass ihn der gesamte Trip am Ende bescheidene 24 Euro kostete.

Seine Empfehlung: Um eine lange Strecke über 600 oder 1000 Kilometer zu überbrücken, lautet die Lösung für Corsa-e-Fahrer nicht wie beim Diesel oder Benziner: Einmal volltanken und dann bei sparsamer Fahrweise soweit kommen wie möglich. Sondern: Die Etappen möglichst so planen, dass ausschließlich Schnelllader angefahren werden können.

Der Diesel- oder Benzin-Fahrer muss im Rahmen einer halbstündigen Rast etwa zehn Minuten zum Tanken veranschlagen, der Elektromobilist pfropft einen Stecker in seinen Corsa-e geht anschließend Kaffee trinken. Le Floch: „Was komfortabler ist, mag jeder für sich selbst entscheiden.“

waren es bis nach La Seyne-sur-Mer in Frankreich.

Generell ist der Corsa-e im täglichen Umgang „e“ wie easy. Opel-Ingenieur Le Floch: „Mal den Luftdruck kontrollieren, Wischwasser nachfüllen – das war’s auch schon. Nicht einmal die Bremsen verschleißen. Und ich spare den Weg zur Tankstelle.“

„Mal den Luftdruck kontrollieren, Wischwasser nachfüllen – das war’s auch schon. Nicht einmal die Bremsen verschleißen.“

– Stephane Le Floch –

Gut geplant: In acht Etappen ging es bis ans Mittelmeer.
Aufladen: Mit einem herrlichen Blick auf die Côte d’Azur tankt der Corsa-e neue Energie.

ROUTE 2

Fabian Kempfer macht sich
auf den Weg nach Owschlag.

Fabian Kempfer visierte derweil das 630 Kilometer entfernte Owschlag bei Kiel in Schleswig-Holstein an. Er bewältigte die Strecke von Rüsselsheim nach Owschlag sogar zweimal unter umgekehrten Vorzeichen. Einmal mit Familie, wobei er seinen Zwillingen zuliebe die Priorität auf möglichst lange Etappen legte. Und einmal alleine, wobei die Reduzierung der Gesamtfahrzeit durch optimiertes Laden an Schnellladestationen im Vordergrund stand. „Lademöglichkeiten sind ausreichend vorhanden“, sagt Kempfer. „Die Routenplanung mit einem E-Auto stellt zwar etwas höhere Ansprüche als mit einem Verbrenner, doch sie ist äußerst reizvoll – vor allem mit einem Corsa-e und dessen 100 kW-Schnelllader.“

Der Corsa-e- Akku kann mit bis zu 100 kW Gleichstrom aufgeladen werden. Eine komplette Batterieladung ist in einer Stunde abgeschlossen, nach 30 Minuten ist der Speicher zu rund 80 Prozent gefüllt. Sogenannte „High Performance Charger“ (HPC), die 100 kW und mehr abgeben können, sind aber noch nicht so stark verbreitet. „Es gibt sie jedoch genug, in Abständen von maximal 150 Kilometern“, erklärt Kempfer. Und mit dem Navigationsgerät im Corsa-e oder der Free2Move-App sind sie auch leicht zu finden.

waren es bis ins schleswig-holsteinische Owschlag.

Das kann dann schon mal nach 100 Kilometern der Fall sein, auch wenn ein Corsa-e mit knapp 70-prozentiger Batterieladung locker 170 Kilometer schafft. Dafür kann auf kurzen Etappen schneller gefahren werden. Und: „Der Akku des Corsa-e verkraftet beliebig viele Schnellladungen.“

„Das Fahrgefühl ist einfach
unvergleichlich harmonisch.
Die Leistung ist immer sofort da,

wenn man sie braucht.“

– Fabian Kempfer –

Schöner laden: Auf dem Weg nach Owschlag tankt der Corsa-e Gleichstrom an einer Schnelladesäule.
Trip gen Norden: Fabian Kempfer setzte bei der Planung auf Schnelllader.

Das Fazit

Stephane Le Floch benötigte für die 1.066 Kilometer nach La Seyne-sur-Mer 13:17 Stunden. Die Ladepausen summierten sich auf 3:32 Stunden. Le Floch: „Wem das zu viel erscheint, der muss bedenken, dass eine solche Strecke unabhängig vom Antrieb nicht ohne angemessene Ruhepausen bewältigt werden sollte und in Frankreich ohnehin ein Tempolimit von 130 km/h gilt – außerhalb der vielen Baustellen.“

Generell legt er gar keinen so großen Wert darauf, mit Worten zu überzeugen. „Jeder, der nicht glaubt, dass elektrisch fahren einfach Spaß macht, soll es einfach selbst ausprobieren und sich dann ein Urteil bilden. Basta.“

benötigte Stephane Le Floch auf der 1.066 Kilometer langen Reise zum Laden. 
Fabian Kempfer findet, dass diese Ladeleistung den Corsa-e durchaus langstreckentauglich macht.

Fabian Kempfer brauchte für die erste Fahrt – mit Familie – zehn Stunden, für die zweite Tour – alleine und unter zeitoptimierter Nutzung von Schnellladern – waren es nur acht. „Sicher spielte dabei auch das geringere Gewicht eine Rolle. Aber die Strategie, mit mehreren und dafür kürzeren Stopps schneller ans Ziel zu kommen, kennt man ja auch aus dem Motorsport“, erklärt Kempfer, der nach seinen beiden Touren ein durchweg positives Fazit zieht.

„Der Corsa-e ist ein echtes Energiebündel, das sich auch für die Langstrecke eignet – und das Fahren macht richtig Spaß.“


Januar 2021

Text: Eric Scherer, Fotos: Alex Heimann, privat