„Mit dem neuen Mokka hat sich für mich ein Traum erfüllt“

Friedhelm Engler hat es geschafft. Er hat das Design der atemberaubenden Studie Opel GT X Experimental bestimmt und fast unverändert auf die Straße gebracht. Aus dem Concept Car ist unverwechselbar der neue Mokka geworden – mutig gezeichnet, mit klarem Kurs Richtung Bestseller. Der Newcomer wird gerade überall in Europa von der Fachpresse gefeiert. In diesen Tagen bekommen die ersten Kunden ihre Autos ausgeliefert.

Opel Experimental GT: die erste Studie eines europäischen Herstellers

„Das ist der perfekte Zeitpunkt, um nach dreißig Jahren bei Opel, Lebewohl zu sagen“, erklärt der Chefdesigner seinen Entschluss, sich jetzt zurückzuziehen. Nur wenigen Designern vor ihm war es gelungen, eine Studie ohne Wenn und Aber in ein Serienauto zu verwandeln. Erhard Schnell, mit dem Engler bis zu dessen Tod im vergangenen Jahr eng befreundet war, schaffte das. Das erste Konzeptfahrzeug überhaupt aus dem Design-Studio in Rüsselsheim wurde gleich ein großer Wurf – der Opel GT. Später wiederholte Hideo Kodama dieses Kunststück mit dem Opel Corsa der zweiten Generation – deren Formensprache hatte zunächst als Konzeptfahrzeug Junior das Licht der Autowelt erblickt.

Opel Tigra: das erste Projekt in Rüsselsheim

Kodama war es auch, bei dem Friedhelm Engler seine Opel-Karriere begann. Der Japaner entwickelte auf Corsa-Basis das kleine Coupé Tigra, als ein Neuer in sein Team kam. Der Winzersohn aus Tutschfelden hatte sein Designstudium an der renommierten Hochschule in Pforzheim absolviert. Von dort ging es für drei Jahre als Produktdesigner nach Tokio. Bei Opel begann er 1992 als Transportation Designer, war später Chefdesigner des Meriva A und des Astra H – in all seinen Karosserievarianten vom Cabrio bis zum Caravan. Von 2007 bis 2010 leitete Engler dann die Designabteilung für alle GM-Marken im chinesischen Shanghai. 2010 kehrte der Badener zurück nach Rüsselsheim. Dort übernahm er zunächst das Advanced Design und später die Umsetzung aller Serienfahrzeuge bis zum Produktionsanlauf. So konnte er in der einen Funktion erst den Opel GT Concept sowie die darauf aufbauende Crossover-Studie GT X Experimental auf Kiel legen. In seiner anschließenden Rolle begleitete Engler dann die Entwicklung bis zum Stapellauf. Von der Studie zur Serie – seltenes Designerglück.

Opel-Vizor: das neue Gesicht der Marke

„In der Konzeptphase für den GT X Experimental haben wir einen intensiven Prozess gestartet, um das eigene Unternehmen und die eigenen Werte grundlegend zu reflektieren. Dabei haben wir die Opel-Front neu gezeichnet. Wir hatten bereits eine klare Vorstellung, eine Vision. Den Opel-Blitz, Grill und Scheinwerfer hatten wir zu einem markanten Designelement zusammengezogen. Diese cleane Front – das ist Opel“, beschreibt Engler die Entstehung des neuen Markengesichtes – des Opel-Vizor.

Der Weg zum Serien-Mokka war dann mehr, als nur ein schönes Auto zu schaffen, es sollte ein begehrenswertes sein: „Die Wochen und Monate, die wir am neuen Mokka gearbeitet haben, waren besondere. Wir überführten die Konzeptstudie in ein Serienfahrzeug. Wir fühlten während der Arbeit eine Leichtigkeit, alles fügte sich harmonisch. Es fühlte sich richtig an.“ Schon jetzt zeigen die Medienwahrnehmung und das Kundenverhalten – es war alles richtig. Der Neue wird ein Hit.

1 Echte Opelaner: Friedhelm Engler mit dem Vater des Opel Manta – George Gallion / 2 Alte Zeiten: Engler im Gespräch mit GM-Designchef Ed Welburn / 3 Starkes Team: Friedhelm Engler, Opel-Designchef Mark Adams und Program Design Director Boris Jacob / 4 Junger Spund: Engler mit den früheren Opel-Chefdesignern Hans Seer und Hideo Kodama

Opel GT und Commodore: die Klassiker in der Garage

„Mit dem Mokka hat sich für mich ein Traum erfüllt“, sagt der Chefdesigner und sieht darin den idealen Zeitpunkt, um das zu tun, was neben der Studioarbeit immer liegengeblieben ist. Da warten zwei Werke aus der Feder seines Freundes und Idols Erhard Schnell auf Englers Zuwendung. Zum einen der Opel GT, den er gemeinsam mit seinem Sohn Matthias seit Jahren als Rallyewagen aufbaut. Und zum anderen der Commodore A GS/E, der sich von den vielen flotten Autobahnritten der Englers ein wenig gestresst fühlt.

Dann ist da noch seine spezielle Vorstellung vom Reisen: Kreuz und quer durch Europa, ohne Zeitlimit, einfach der Straße folgen, bis sie so eng wird, dass kaum ein Auto mehr darauf fahren kann. Überall dorthin, wo seine Frau Claudia und er noch niemals waren. Abseits der großen Städte, die in den letzten 30 Jahren Schauplätze von Automessen und Fahrzeugpräsentationen waren. Denn überall dort ist Engler schon gewesen. Er sucht nun neue Horizonte und blickt zurück auf eine einzigartige Karriere.

„Opel und ich – das hat einfach gepasst und das bleibt für immer.“

Text: Roland Korioth, Fotos: Opel