Seine Laufbahn bei Opel begann Herbert Oberhaus 1949 als Lehrling zum Maschinenschlosser. Was folgte, war eine beispielhafte Karriere, die ihn in insgesamt 42 Jahren vom jungen Ingenieur bis an die Spitze der technischen Entwicklung führte. Ab 1977 verantwortete er als Hauptabteilungsleiter die Fahrwerksentwicklung und -konstruktion, 1980 übernahm er die Funktion des Chefingenieurs für Motoren, bevor er 1985 zum Direktor für Produktentwicklung und Konstruktion berufen wurde. In diesen Rollen prägte er maßgeblich nahezu jedes Fahrwerks- und Fahrzeugkonzept, das bei Opel in Serie ging – vom Kadett A bis zum Calibra. In all diesen Fahrzeugen lebt ein Stück seiner Arbeit weiter.
Als einer der Väter der modernen Opel-Palette setzte Herbert Oberhaus auf dem Gebiet der Fahrwerkskonzeption entscheidende Zeichen. Gemeinsam mit seinem Team führte er bei Omega und Senator das selbststabilisierende DSA-Fahrwerk ein. Weitere technologische Meilensteine folgten mit dem elektronisch regelbaren Fahrwerk im Opel Senator sowie dem innovativen Allradantrieb des Vectra 4×4. Zu seinen frühen Leistungen zählt zudem die Entwicklung der De-Dion-Hinterachse für die KAD-Modelle Kapitän, Admiral und Diplomat.


Die Anfänge seiner Ingenieurlaufbahn fielen in eine Pionierphase der Fahrzeugentwicklung. Testmethoden mussten neu gedacht, Messsysteme oft improvisiert werden. Bremsentests führten ihn mit Kapitän, Admiral und Diplomat bis in die Alpen, und auch der Aufbau des Testgeländes in Dudenhofen wurde durch seinen direkten Einsatz mitgeprägt – von der Streckenkonzeption bis zur realitätsnahen Nachbildung unterschiedlichster Fahrbahnoberflächen. Stets galt sein Anspruch, Fahrzeuge unter möglichst realistischen Bedingungen zu erproben.
Oberhaus war zudem an zentralen Zukunftstechnologien beteiligt, die Opel nachhaltig prägten und noch immer prägen: Front- und Allradantrieb, Einspritzmotoren, Einzelradaufhängung, Katalysator und Kunststoffrecycling. Sein technisches Wirken reichte über den klassischen Automobilbau hinaus – etwa beim Opel-Bob für die Olympischen Winterspiele 1980, der mit innovativer Aerodynamik internationale Maßstäbe setzte.


Besonders stolz war Herbert Oberhaus auf den legendären C20XE-Motor, den er als Chefingenieur für Antriebe verantwortete. Der 150 PS starke Zweiliter-16V-Vierzylinder galt lange als technisch wie wirtschaftlich kaum realisierbar. Durch die enge Verzahnung von Entwicklung und Produktion gelang es ihm jedoch, diesen Motor in Serie zu bringen – und damit neue Maßstäbe im Wettbewerbsumfeld zu setzen.
Sein scharfer Blick für technische Details und der Instinkt eines Entwicklers ließen ihn auch nach dem Eintritt in den Ruhestand nicht los. Wer mit ihm sprach, merkte schnell: Herbert Oberhaus dachte immer noch wie ein Ingenieur – analysierend, präzise und leidenschaftlich. Und Opel war für ihn immer mehr als ein Arbeitgeber. „Ich bin stolz darauf, Opel zu fahren“, sagte er einmal. Diese Identifikation prägte sein gesamtes Berufsleben


Anfang der 1990er-Jahre verbrachte er drei Jahre als Berater für Motorenentwicklung beim Mutterkonzern General Motors in den USA – eine Zeit, die er trotz kultureller Unterschiede als bereichernd empfand. Trotz aller Erfolge blieb Herbert Oberhaus stets bodenständig, kollegial und zugewandt. Auf Fotos sieht man ihn fast immer lächelnd. Zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen zeugen von der hohen Wertschätzung, die ihm innerhalb des Unternehmens und in der Fachwelt entgegengebracht wurde.
1991 zog sich Herbert Oberhaus aus dem Berufsleben zurück. Der Abschied fiel ihm schwer – die Verbundenheit zu „seinem“ Opel blieb bis zuletzt. Herbert Oberhaus ist im Alter von 96 Jahren verstorben. Opel verliert mit ihm nicht nur einen herausragenden Ingenieur, sondern auch einen Menschen, der Technik mit Haltung, Verantwortung und Leidenschaft verbunden hat. Sein Wirken prägt die Marke bis heute.
Februar 2026