Flieg, Falke, flieg!

Bald, wenn es Winter wird, werden sie wieder häufiger zu sehen sein: die Lachmöwen. Sie sind typische Wintervögel, denn dann kommen sie aus dem Norden in die wärmeren mitteleuropäischen Länder.

Neben ihnen gibt es am Werksgelände Mauersegler, Enten – die lieben vor allem die Sickerteiche -, Amseln, Spatzen (= Haussperlinge), Fasane, Tauben … Ab und zu nistet sich auch ein Kuckuck auf dem Werksgelände ein.

Krähen-Zuhause in der Lobau

Am auffälligsten sind die großen Krähenschwärme, die das Werksgelände häufig besuchen. Sozusagen als Zwischenstopp, denn in nächster Nähe befinden sich Sammel- und Freßplätze dieser intelligenten Tiere. Die Wiener Krähen-Landkarte listet einen Sammel- und Freßplatz neben der Kompostieranlage in der Lobau sowie einen Sammelplatz auf der Donauinsel neben dem Kraftwerk Freudenau auf. Krähen-Schlafplätze gibt es auch in der Nachbarschaft: beim Zentraltanklager in der Lobau und am Toten Grund.

Zumeist sind es (schwarze) Saatkrähen, die das Werksgelände besuchen. Manchmal sind freilich auch Dohlen zu beobachten; erkenntlich an ihrer grauen Kopfpartie und ihrem – im Verhältnis zu den Saatkrähen – schnelleren Flügelschlag.

Zwei bis drei Paare

Nur aufmerksame Beobachter kennen noch eine Vogelart, die seit einigen Jahren auf dem Werksgelände heimisch ist: Turmfalken. Umweltmanager Sepp Fangl berichtet: „Bisher haben wir immer drei Brutpaare gehabt, zwei auf den Hochmasten und eines in der hohen Pappel neben der Lehrwerkstätte. Das Paar in der Pappel hat mir dieses Jahr gefehlt.“

Turmfalken-Junges


Turmfalken-Nest mit Blick übers Werksgelände – auf einem der Leuchten-Hochmasten.


Blick vom Montagekran auf den Parkplatz.

Im Turmfalken-Projekt Wien werden die Turmfalken genau erfasst; die Jungen werden sogar gewogen

Vielleicht ist dieses Paar übersiedelt? Energiemanager Roman Szegner berichtete Anfang September: „Im Sommer haben wir uns daran gemacht den Hochmast Nr. 2 auf dem Parkplatz auf LED-Technik umzurüsten. Aber leider mussten wir die Arbeit abbrechen, da auf dem Mast Turmfalken ein Nest errichtet hatten.“

„Wir haben uns sofort mit der Dame vom Wiener Turmfalkenprojekt in Wien in Verbindung gesetzt und nach ihren Anweisungen den Montagetermin auf Anfang September verschoben“, berichtet Roman Szegner weiter. „Bis der junge Falke ausgeflogen war.“

Für Turmfalken-Fans: Sind die kleinen Turmfalken aus den Eiern geschlüpft, bleiben sie etwas mehr als 30 Tage im Nest. Dann sind sie flügge und am typischen Rüttelflug zu erkennen; sowie an ihrem ti-ti-ti-Ruf https://www.lbv.de/ratgeber/naturwissen/artenportraits/detail/turmfalke/

Zu den Turmfalken des Werks Aspern sagt Petra Sumasgutner vom Turmfalken-Projekt Wien: „Der Jungfalke sieht auf dem Bild schon sehr weit entwickelt aus. Es kann daher sehr leicht sein dass seine Nestgeschwister bereits ausgeflogen sind. Turmfalken legen in der Regel fünf bis sechs Eier im Abstand von je zwei Tagen. Da sie bereits nach dem zweiten Ei zu brüten beginnen,  schlüpfen die Nestlinge asynchron, das heißt: es kann durchaus ein Altersunterschied von bis zu zehn Tagen entstehen. Entsprechend werden die Falken auch nicht zugleich flügge.

Mäuse sind die „Lieblingsspeise“ von Turmfalken. Sie erspähen sie im Rüttelflug. Hat ein Turmfalke eine Maus entdeckt, geht er im Sturzflug runter, um sie zu fangen.

 

Wien = Stadt der Turmfalken

In keiner anderen europäischen Hauptstadt gibt es so viele Turmfalken wie in Wien. Das zeigte das im Frühjahr 2009 gestartete Forschungsprojekt (von Universität Wien und Naturhistorischem Museum) zur Erfassung und Untersuchung der Turmfalkenpopulation in Wien. Auch heute noch werden Turmfalkennester in Wien kartiert, der Bruterfolg und die Beutezusammensetzung der Falken erfasst. Um noch mehr Informationen über Turmfalken zu erhalten, werden viele junge Turmfalken beringt und auf ihrem Lebensweg weiterverfolgt. Die Ergebnisse der Untersuchungen von 2010 bis 2012 wurden in einer Dissertation bearbeitet.


Turmfalken können auch in Blumenkästen brüten

Montage-Arbeiten auf den Leuchten-Hochmasten erfolgen mithilfe eines Krans.

Turmfalke im Flug


Die Wiener Turmfalken „wohnen“ meist in offenen Dachbodenluken, an Fassaden oder Bäumen. Ein „Heim“ auf Licht-Hochmasten – wie bei den Asperner Exemplaren – ist eher die Ausnahme.  Viele Brutnischen gehen zurzeit durch Fassadenrenovierungen und Dachbodenausbau verloren. Nistkästen sollen daher in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Die Forscher der Universität Wien und des Naturhistorischen Museums sind sich einig: Turmfalken sollten Wien in der jetzigen Größenordnung erhalten bleiben.

Im Jahr 2007 war der Turmfalke in Deutschland Vogel des Jahres, im Jahr 2008 in der Schweiz.

Turmfalken-Porträt


Turmfalken-Steckbrief


Turmfalke, Falco tinnunculus
Gattung: Falken (Falco)
Größe: 38cm
Gewicht: 300g
Flügelspannweite: 82 cm
Brut: 1 Jahresbrut
Brutzeit: April bis Juli
Anzahl der Eier: 4-7
Brutdauer: 30 Tage
Nestlingsdauer: 33 Tage
Nahrung: vor allem Wühlmäuse; außerdem Käfer, Insekten, Regenwürmer, Vögel
Alter: 15 Jahre Lebenserwartung
Liste der Feinde: Uhu, Habicht, Marder, Krähe, Mensch, Wetter, Parasiten, Infektionskrankheiten
ca. 250 bis 400 Turmfalken-Brutpaare gibt es in Wien; im Jahr 2011 wurden im Rahmen des Wiener Turmfalken-Projekt 320 Nistplätze gezählt.
Weitere Informationen unter https://www.bird.at/Turmfalken-in-Wien.288.0.html
https://www.facebook.com/Turmfalkenprojekt-Wien-344988054481/


Stand Oktober 2017

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Text: Kristin Engelhardt
Fotos: P. Sumasgutner, M. Graf/beide Turmfalken-Projekt Wien, alexanderoberst/fotolia, rob francis/fotolia, Erni/fotolia