Rallyeherz,
was willst du mehr?

Lange genug mussten die Schätze von Opel Classic in der Garage bleiben: Jetzt war das Rüsselsheimer Team zusammen mit Tourenwagen-Legende Jockel Winkelhock sowie zwei Kadett-Kostbarkeiten bei der „4. Sauerland Klassik“ am Start. „Endlich wieder schöne Autos auf einer wunderbaren Strecke – und das vor erstaunlich vielen begeisterten Zuschauern“, freute sich Winkelhock über seine erste Oldtimer Rallye seit Beginn der Pandemie.

100 Oldies, 1000 Berge

Dass es sich lohnte am vergangenen Wochenende (29. September bis 2. Oktober) ins „Land der tausend Berge“ zu reisen, dazu trug Jockel Winkelhock selbst mit bei: Der Opel-Markenbotschafter startete mit einem Kadett GT/E, Baujahr 1978.

Klosterplatz in Attendorn: In den Opel-Werksfarben der Siebziger präsentiert sich der Kadett GT/E den Zuschauern am Start. Die Hansestadt im Kreis Olpe ist Ausgangspunkt aller drei Rallye-Tage.
Baujahr 1918: Der älteste Teilnehmer im Feld war ein „American LaFrance“ mit 14.500 Kubikzentimetern Hubraum.
„Wie wollen wir’s angehen?“: Opel Classic-Chef Uwe Mertin im Gespräch mit Jockel Winkelhock.
Freilicht-Museum: Geparkt bieten die Oldies dem Publikum Gelegenheit, sie genauer zu betrachten.

„Endlich wieder schöne Autos auf einer wunderbaren Strecke.

– Jockel Winkelhock –

Der Kadett GT/E ist ein bis ins Detail identischer Nachbau der Rallye-Version, mit dem das Fahrerduo Achim Warmbold und Willi-Peter Pitz 1978 die Deutsche Rallye-Meisterschaft bestritten hatte. Seinen Zweiliter-Motor hatte das Opel Classic-Team gerade frisch überholt, sodass der Kadett zu seinem Neustart in der mobilen Klassikerszene die vollen 160 PS des Originals auf die Piste brachte.

Rallye-Leidenschaft
des schnellen Schwabens

Sehr zur Freude Jockel Winkelhocks, der sich auf den Kurven durch Arnsberger Wald, Rothaargebirge und den Hohen Westerwald sichtlich wohl fühlte. „In meiner aktiven Laufbahn ergab sich leider nie die Möglichkeit, eine Rallye zu fahren“, erzählt der 60-Jährige. „Das hätte ich mir gut vorstellen können“, fühlte er sich nach diesem Event bestätigt. Co-Pilot Jörg Bartmann war vom Können des mehrfachen Langstreckenchampions jedenfalls begeistert.

PS-Nostalgie plus Natur: DTM-Spezialist Jockel Winkelhock entdeckt die Reize einer Oldtimer-Rallye. „Eine tolle Landschaft, die Strecken sind perfekt zu fahren“, erklärt er.

Die zweite Opel-Rarität: ein Kadett Aero.

Der zweite Opel, den das Classic Team ins Rennen schickte, bot ebenfalls ordentlich „Eye Candy“ für Oldie-Freunde: ein Opel Kadett Aero von 1978. Von der Targa-Interpretation, die einst beim Stuttgarter Cabrio-Spezialisten Baur entstand, wurden überhaupt nur 1.242 Stück gebaut, sodass sich heute nur noch selten die Gelegenheit bietet, ein Exemplar in Aktion zu erleben.

Für Opel Classic fuhren Kai Klauder und Rouven Schmitt vom Oldtimer-Magazin „Motor Klassik“ den Targa-Kadett durchs Sauerland. Mit ihren jeweils 43 Lenzen bewegten sich die beiden Opel-Klassiker, was das Alter angeht, ungefähr im Mittelfeld der insgesamt 108 gestarteten Fahrzeuge. 26 Jahre alt müssen die automobilen Teilnehmer der Sauerland Klassik mindestens sein.

Auf malerischen Straßen: Im Kadett Aero lässt sich die Landschaft besonders gut genießen.
Noch eine Rarität: Ralf Klaus passiert in einem „Talbot London Open 90 AV“ von 1933 die Sprungschanze bei Winterberg.

Der älteste Wagen, der sich der Herausforderung der 729 Kilometer in sechs Etappen stellte, war ein „American LaFrance“ aus dem Jahr 1918. Mit sechs Metern Länge und einem Hubraum von 14.500 ccm ist das blaue Ungetüm in etwa mit dem „Grünen Monster“ von Opel Classic vergleichbar. Den 3,5 Tonnen schweren Koloss ohne Servo-Lenkung über die kurvigen Bergstraßen zu steuern, ist nichts für zart Besaitete. „Das geht ganz schön in die Arme“, erzählte Fahrer Richard Gebert, der den Ur-Oldie sogar auf eigener Achse aus dem heimischen Franken- ins Sauerland chauffiert hatte. Ging auch gar nicht anders: Einen Anhänger in geeigneter Größe für den „American LaFrance“ gibt es nicht.

Ist das nicht der Tatort-Kommissar mit dem Porsche?

Inmitten der automobilen Prominenz war auch ein bekanntes TV-Gesicht zu entdecken. Der Schauspieler Richy Müller war mit Ehefrau Christl in einem Porsche 911 SC Cabrio am Start, mit der Marke also, die er auch als „Tatort“-Kommissar Lannert bevorzugt. Und Opel Classic-Chef Uwe Mertin freute sich, Reinhard Schade zu treffen, der mit Partnerin Tina Gorschlüter einen Ford Taunus durch die Höhen und Tiefen der Etappen lenkte.

Licht an: Die zweite Etappe sah eine Nachtfahrt nach Elpse vor, das durch die Karl May-Festspiele bekannt ist.
Nacht- und Nebelaktion: Die Schilder kündigen an, dass es bald geschafft ist.  

Reinhard Schade ist Initiator einer einzigartigen Oldtimer-Spendenaktion der Lebenshilfe Gießen. Bei dieser können Freunde klassischer Fahrzeuge schon seit 1995 attraktive Preise gewinnen. Die Erlöse kommen einem guten Zweck zugute. Und der Ford Taunus, mit dem Schade auf die Strecke ging, ist einer der Klassiker, die man in diesem Jahr gewinnen kann. Dessen Vorbesitzer: TV-Moderator Günther Jauch.

Insgesamt war es das zweite Mal, dass Opel die „Sauerland Klassik“ begleitete, die in Pandemie-freien Zeiten alle zwei Jahre starten soll. Und wenn es nach dem Team von Opel Classic geht, war es mit Sicherheit nicht der letzte Ausflug in das Land der tausend Berge.

Startnummer 001: Angeführt wurde die Oldtimerrallye von einem Opel Grandland. Das Vorausfahrzeug leitete das Feld souverän durch die sechs Etappen.
Gute Sache: Opel Classic-Chef Uwe Mertin trifft Reinhard Schade, Initiator der Oldtimer-Spendenaktion für die Lebenshilfe Gießen.
Freund und Helfer: TV-Kommissar Richy Müller gibt einem echten Kollegen ein Autogramm auf die Schutzweste.

Die
Sauerland-Klassik hat man auch
bei Opel ins Herz geschlossen.

Neuland vorm Kühlergrill: Auf den Kadett Aero wartet ein spannendes Wertungsprüfungs-Intermezzo.
Steigerungspotenzial: Die Wertungsprüfungen wie die an der GoKart Bahn in Hahn „liefen so medium“, bilanziert Jockel Winkelhock. Was ihn umso mehr anspornt, es bei einer künftigen Oldtimerrallye besser zu machen.

Oktober 2021

Text: Eric Scherer, Fotos: André Tillmann