Between hot rods and pre-war classics, Nico Lohmeyer's Opel Olympia Rekord attracts a lot of attention.

Beachparty auf dänisch

Es klingt es wie ein Traum: Auf Rømø fauchen wunderschöne Automobile unter hellblauem Himmel über den Sandstrand. Geschwindigkeitsrekorde? Nebensache. Beim Sprintrennen über die 1/8 Meile haben Teilnehmer und Besucher vor allem eins: eine verdammt gute Zeit. Dieser Zauber macht das Motorfestival so beliebt.

Alles begann vor über 100 Jahren. Dem dänischen Unternehmer und Motorsport-Fan Svend Simmelkjaer soll 1917 bei einem Spaziergang in Jütland die Idee eines Strand-Rennens gekommen sein. Die Welt war damals noch vom ersten Weltkrieg erschüttert und die Verschwendung von Treibstoff undenkbar. Zwei Jahre später fand dann schließlich doch das erste Sand-Rennen des Danish Automobilclubs statt, damals noch auf Fanø. Top-Fahrer aus aller Welt und über 20. 000 Zuschauer pilgerten hoch in den Norden. Der Brite Sir Malcom Campell knackte 1924 mit 235 km/h sogar den Geschwindigkeits-Weltrekord für Landfahrzeuge – ein nicht zugelassener Zeitmesser verhinderte die offizielle Anerkennung. Als Campell bei einem weiteren Rekordversuch ein Rad verlor und einen jungen Zuschauer tödlich verletzte, war die Speed-Ära am Wattenmeer erstmal Geschichte.

Eine Handvoll dänischer Hot-Rod-Freunde hauchte dem Sandrennen neues Leben ein.

Zwischen Vorkriegs-Klassikern wirkt der Grandland Electric AWD wie ein Besucher aus der Zukunft.
Ein Stromer im Hot-Rod-Paradies: Mit Allradantrieb und viel Traktion wird der Nordseestrand zur Spielwiese.
Race Officials achten darauf, dass auf der historischen Achtelmeile alles sicher abläuft.
Rømø steht für eines der außergewöhnlichsten Oldtimer-Events – mitten am Nordseestrand.
Es wird geschraubt, poliert und gefachsimpelt – oft bis kurz vor dem Start.
Elektromobilität trifft auf Automobilgeschichte.
Auch historische Motorräder gehören seit Jahren zum Motorfestival.

Ein Sprung ins Jahr 2016: Eine Handvoll dänischer Hot-Rod-Freunde – Liebhaber historischer, leistungsstark umgebauter Klassiker – hauchte dem Sandrennen neues Leben ein. Angelehnt an die historischen Rennen in Pendine Sands (Wales) oder Daytona Beach (USA) rollten nur ein paar Fahrzeuge nach Rømø. Inzwischen musste die Teilnehmerzahl auf 120 begrenzt werden. Ausgewählt wird nach Originalität und Vielfalt. 60 Autos und 60 Motorräder können antreten. Tuningteile müssen aus der jeweiligen Epoche der Fahrzeuge stammen. Man zahlt 80 Euro Startgeld – ausschließlich für die Versicherung. Die Teilnehmer sollten in zeitgenössischer Kleidung antreten. Schriftlich bewerben kann sich jeder, der ein Fahrzeug besitzt, das nicht älter als 1947 ist.

In der Welt der Roaring Twenties verkörpert der Opel Grandland Electric AWD die ultramoderne Zeitmaschine. Leise und neugierig schlendert er an den Klassiker vorbei. Stündlich spült es weitere hunderte privater Schmuckschatullen aus ganz Europa an den Nordseestrand. Und unzählige Motorräder. Es gibt sogar einen extra Laufsteg für Autos vor 1958. Daneben Wuhling im Fahrerlager: Alle Starter werden von einer Kommission technisch abgenommen. In jedem Fahrzeug steckt „a lot of blood, sweat and tears“, wie uns ein britischer Teilnehmer sagt. Die Wartezeit versüsst sich der Grandland AWD mit einem Strandspaziergang. Der lose Sand macht ihm nichts aus. Ganz im Gegenteil: Mit dem richtigen Beat im rechten Fuß tanzt er mühelos umher, drückt sanft mit dem Heck Richtung Meer – um sich dann wieder in den Sand zu krallen. Herrlich!

In der Welt der Roaring Twenties verkörpert der Opel Grandland Electric AWD die ultramoderne Zeitmaschine.

Zwischen Hot Rods und Vorkriegs-Klassikern zieht auch Nico Lohmeyers Opel Olympia Rekord viele Blicke auf sich.
Kein VIP-Bereich, kein Food-Truck-Hype – dafür Grill, gute Gespräche und jede Menge Automobilleidenschaft.
Historische Technik in Bewegung: Beim Sprint über den Strand lebt die Tradition der legendären Sandrennen weiter.
Dieser Rekord P1 mit Wohnwagen bringt den Geist der Wirtschaftswunderjahre an den Strand.
Wer sein Auto nach Rømø bringt, bringt meist auch seine Geschichte mit.
Das Festival feiert historische Fahrzeuge, aber auch Menschen, die sie am Laufen halten.

Im Laufe des Tages treffen wir viele Opel-Fans. Länger wird die Plauderei mit Nico Lohmeyer, der an seinem Opel Olympia Rekord R3 Sportcoupé lehnt. Das Auto hat er seit 15 Jahren – und mittlerweile im Stil eines 1/4 Meile-Rennwagens aus Amerika umgebaut. Es fehlt nur noch die Hochzeit mit dem 5,7 Liter V8. Alle nötigen Teile hat er dafür schon zusammen. Nico ist mit Opel aufgewachsen – ein Fan durch und durch. Das Motorfestival von Rømø lässt er sich nicht entgehen. Klar, dass wir nur kurz Abschied nehmen: Denn wir sehen uns beim nächsten Mal!


Dieses Jahr feiert RØMØ MOTOR FESTIVAL Zehnjähriges. Für alle, die am 22. August noch nichts vorhaben:
Von Rüsselsheim braucht man mindestens gut sieben Stunden bis nach Rømø. Goldene Regel: Wer früh da ist, steht nicht im Stau. Denn: Nur zwei Fahrspuren führen auf die bodenständige Familien-Insel. Aber selbst, wenn’s hier mal länger dauert: Niemand hupt oder pöbelt. Alle sind entspannt. Und alles ist for free. Der Eintritt, die Toiletten, das herzliche Chaos. Nur fünf, sechs Buden verticken Würstchen, Bier und Pommes. Am Stand, an dem die Festival-T-Shirts verkauft werden, stehen sie geduldig in Zweierreihen hundert Meter an. Große Harmonie statt totaler Regulierung. So kann Freude am Automobil und Mobilität aussehen – danke Dänemark!

Mehr Infos für euch https://romo-tonder.dk/de/rmf25/


Text und Fotos: Dani Heyne