Stille. Der Opel Corsa GSE steht am Neusiedlersee, das Wasser liegt ruhig. Doch dafür ist er nicht ins österreichische Pachfurth gekommen. Helen Walter steigt ein, aktiviert im Menü den „Active Sport Sound“. Wie das klingt?
Sound an.
Was beim Beschleunigen und Abbremsen im Innenraum aus den Lautsprechern kommt, ist weder klassischer Motorsound noch futuristisches Elektro-Surren. Es liegt irgendwo dazwischen – und genau das war die Idee. „Wir wollten einen Sound, der zu GSE und zu Opel passt“, sagt Helen Walter. Als Produktmanagerin hat sie die Entwicklung begleitet und vorangetrieben. Denn der neue Corsa GSE sollte sich mit seinen 281 PS nicht nur dynamisch fahren. Er sollte auch dynamisch klingen.
Wie klingt Grand Sport Electric?
Sportlich natürlich. Emotional. Nach Performance. Aber wie hört sich „sportlich“ eigentlich an? Und wie wird aus einer solchen Vorstellung ein Sound, der später im Auto funktioniert? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Walter und ein Team in Rüsselsheim über Monate. In internen Hörtests wurden zunächst unterschiedliche Sounds bewertet. Die Frage dahinter: Welche Klangwelt passt zu GSE? Die Richtung zeichnete sich schnell ab – und trotzdem war die Antwort nicht einfach. Erinnern durfte der Sound an die Motorsport-Vergangenheit. Klingen sollte er nach elektrischer Zukunft. Ein vorhandener Sound aus dem Repertoire kam nicht infrage. „Wir waren uns schnell einig: Wir können nicht auf Bestehendes zurückgreifen“, erzählt Walter. Also: ganz neu anfangen. Und selbst entwickeln.
„Wir wollten einen eigenen Sound, der zu GSE und zu Opel passt.“
– Helen Walter, Produktmanagerin Corsa GSE –





Wie entwickelt man einen Sound? Die Antwort führt zu Klaus Pfleiderer und seinem Team in Rüsselsheim. Pfleiderer leitet dort den Bereich der NVHI-Entwicklung, kurz für Noise, Vibration, Harshness und Integration. Vereinfacht gesagt beschäftigen sich die Fachleute damit, wie sich Geräusche und Vibrationen im Fahrzeug verhalten, sich anfühlen und anhören. „Wir wollten mit dem Corsa GSE auch das Gehör ansprechen und damit eine zusätzliche emotionale Ebene schaffen“, erklärt Pfleiderer. Aus der Idee musste nun ein konkreter Klang werden. Und dafür reicht es nicht, einfach einen passenden Ton zu finden. Entscheidend ist, woraus er besteht.
Was eine Geige damit zu tun hat
Ein Kollege aus Pfleiderers Team greift zur Erklärung in die Musik: Spielt eine Geige denselben Ton wie eine Gitarre, hören wir trotzdem sofort einen Unterschied. Entscheidend dafür sind unter anderem die Obertöne. Sie geben dem Klang seinen Charakter. Nach einem ähnlichen Prinzip gingen die Entwickler beim Corsa GSE vor. Als Ausgangsmaterial dienten auch Aufnahmen von Verbrennungsmotoren. Die Fachleute zerlegten deren Klangcharakter, behielten ausgewählte Bestandteile bei, entfernten andere und ergänzten synthetische und elektronische Elemente. Schritt für Schritt entfernte sich das Ergebnis so vom klassischen Motorsound. Entstanden ist keine digitale Kopie eines Motors. „Es ist ein vollkommen neuer Klang mit vertrauten Anklängen und eigenem elektrischem Charakter“, erklärt Pfleiderer.

„Es ist ein vollkommen neuer Klang mit vertrauten Anklängen und eigenem elektrischem Charakter.“
– Klaus Pfleiderer, Group Manager NVHI –


Hören. Fahren. Noch mal hören.
Über den richtigen Sound entschieden nicht allein die Akustikexperten. Entwickelt wurde er gemeinsam in Rüsselsheim: Kolleginnen und Kollegen aus Engineering, Produkt, Brand, Kommunikation und Marketing, darunter auch Marketing-Chefin Rebecca Reinermann, hörten mit. Kurze Wege, gemeinsame Hörsessions und der direkte Austausch zwischen den Bereichen prägten den Entwicklungsprozess. In Workshops und größeren Befragungen wurden unterschiedliche Varianten bewertet. So sollte nicht der persönliche Geschmack Einzelner entscheiden, sondern ein möglichst klares gemeinsames Klangbild entstehen.
Ein wichtiges Werkzeug dafür steht ebenfalls in Rüsselsheim: der Fahrsimulator der NVHI-Entwicklung. Die Testpersonen sitzen vor einer realistischen Fahrsituation, geben selbst Strom, bremsen und erleben unmittelbar, wie sich der Sound mit der Fahrt verändert. Auch Vibrationen lassen sich simulieren. So können viele Menschen unterschiedliche Varianten unter vergleichbaren Bedingungen erleben und bewerten. Erst als der Charakter des GSE-Sounds weitgehend feststand, wurde er ins reale Fahrzeug übertragen. „Dort“, sagt Pfleiderer, „waren nur noch minimale Anpassungen nötig.“
So hört ihn die Presse
Nicht aufdringlich und stimmig komponierter Mix.
Auto Zeitung
Der Klang folgt Beschleunigung und Tempo, imitiert keinen Verbrenner und unterstützt mit einer eigenen elektrischen Tonspur das dynamische Fahren.
electrive
Präsent genug, um das Fahrerlebnis aktiv und sinnvoll zu unterstützen,
ohne dabei die Ruhe im Innenraum zu stören.
PistonHeads





Zurück nach Pachfurth. Jetzt muss sich zeigen, wie das Ergebnis auf der Straße funktioniert. Helen Walter gibt Strom, der Corsa beschleunigt – und der Klang verändert sich mit ihm. Denn der Sound läuft nicht einfach als akustische Begleitung mit. Er reagiert darauf, wie das Auto bewegt wird. Beim Beschleunigen tritt er stärker hervor, nimmt sich anschließend wieder zurück. Im Sportmodus wird das Erlebnis intensiver. Wiedergegeben wird der Sound über sechs Lautsprecher im Innenraum.
Und wie kommt das an? Erste Fahrberichte treffen ziemlich genau die Idee hinter der Entwicklung. Die Auto Zeitung beschreibt den Sound als „nicht aufdringlich und stimmig komponiert“. electrive hebt hervor, dass er nicht versucht, einen Verbrennungsmotor zu imitieren, sondern einen eigenen elektrischen Charakter entwickelt. Auch PistonHeads lobt, dass der Sound präsent ist, ohne aufdringlich zu werden.
Der Sound fährt mit
Wer lieber die natürliche Ruhe des Elektroantriebs genießt, kann den Sound deaktivieren. Die gewählte Einstellung bleibt auch beim nächsten Fahrzeugstart erhalten. Für Klaus Pfleiderer und Helen Walter gehört der Klang zum Gesamtpaket des Corsa GSE: Design fürs Auge, Beschleunigung und Fahrwerk für den Körper – und der eigens entwickelte Sound fürs Ohr.
Am Neusiedlersee ist von der Stille des Anfangs inzwischen nicht mehr viel übrig. Helen Walter tritt aufs Strompedal, der Corsa beschleunigt – und mit ihm verändert sich der Klang. Monate des Hörens, Diskutierens und Entwickelns werden hörbar. Wie klingt GSE? Ein wenig nach dem, wo Opel herkommt. Und ziemlich deutlich nach dem, wo Opel hinwill.
September 2026