Following the coffee: In the Opel Mokka we search Italy – for the places, people and machines that have shaped its coffee culture.

Drei Schlucke Italien

Die Reise beginnt kurz vor Mailand, am Autogrill Villoresi Ovest. Die kreisrunde Raststätte ragt seit den 1960er-Jahren wie ein UFO aus der Landschaft und ist für Italienurlauber eine Art Pflicht-Stop. Drinnen klappern Tassen, die Maschinen schnaufen, der nächste Gast wartet schon. Rund 120 Millionen Tassen Kaffee werden allein in den italienischen Autogrill-Filialen jedes Jahr ausgeschenkt. Espresso? Bestellt hier kaum jemand. Ein „Caffè“ – so heißt auf es Italienisch – genügt. Der Rest versteht sich von selbst.

Nächster Halt: Omegna am Lago d’Orta. Hier entwickelte Alfonso Bialetti 1933 die Moka Express. Die achteckige Aluminiumkanne wurde zum Symbol italienischer Kaffeekultur und weltweit millionenfach verkauft. Produziert wird sie längst anderswo, doch ein paar Kilometer weiter lebt die italienische Lust an gutem Design weiter – bei Alessi. Im Factory Outlet füllt sich der Kofferraum des Mokka erstaunlich schnell mit Espressotassen, Kannen und Dingen, von denen man bis eben nicht wusste, dass man sie dringend braucht.

UFO mit Tradition: Seit 1958 weist der futuristische Bau von Angelo Bianchetti Reisenden auf der Autostrada dei Laghi den Weg zur Kaffeepause. Heute heißt die Ikone offiziell „Autogrill 1958“.
Raststätte mit Grandezza: Unter dem mächtigen Kronleuchter wirkt die Kaffeepause fast wie ein gesellschaftliches Ereignis.

Dann geht es Richtung Mailand. Wer wissen will, wie der Caffè ohne Herdkanne in die Tasse kommt, landet in Binasco. Dort erzählt das MUMAC, das Museum der Cimbali-Gruppe, mehr als hundert Jahre Espressomaschinengeschichte. Die frühen Exemplare wirken wie Lokomotiven: Kupferkessel, Hebel, Ventile. Später kommen Hydraulik, Elektronik und immer ausgefeiltere Pumpen hinzu. Der Star der Sammlung heißt Faema E61. Baujahr 1961, für Kaffeefans ungefähr das, was der GT für Opelfahrer ist. Ihre elektrische Pumpe und der konstante Brühdruck machten Espresso erstmals reproduzierbar. Technik ersetzte Muskelkraft.

Noch mehr ins Schwärmen gerät Museumsdirektorin Barbara Foglia allerdings bei einer anderen Maschine: der „La Cornuta“ von Gio Ponti aus dem Jahr 1948. Nur rund 900 Exemplare wurden gebaut. Heute ist die hornförmige Schönheit ein begehrtes Sammlerstück. „Die Mona Lisa unter den Espressomaschinen“, sagt Foglia. Doch selbst die schönste Maschine ist nur eine von vier Zutaten. Maschine, Mühle, Barista und Bohne müssen zusammenspielen. „Auch die beste Maschine macht aus schlechtem Kaffee keinen guten Espresso“, sagt Foglia – und schickt den Mokka weiter nach Turin.

„Auch die beste Maschine macht aus schlechtem Kaffee keinen guten Espresso.“

– Barbara Foglia, Direktorin des MUMAC –

Ein Espresso, ziemlich viele Teile: Die LaCimbali M100 zerlegt in ihre Einzelteile – der „Esploso“ zeigt, wie viel Technik hinter einer kleinen Tasse Caffè steckt.
Das MUMAC in Binasco bei Mailand führt durch die Geschichte der Espresso.
Museumsdirektorin Barbara Foglia weiß, dass Technik allein keinen guten Caffè macht.
Kathedrale trifft Kompakt-SUV: Der Mokka vor dem Duomo di Milano.
Maschine, Mühle, Bohne und Barista entscheiden gemeinsam über das Ergebnis.

Hier eröffnete Luigi Lavazza 1895 eine kleine Drogerie. Kaffee war zunächst nur eines von vielen Produkten. Lavazza begann jedoch, Bohnen unterschiedlicher Herkunft und Röstungen zu mischen – und erfand damit quasi nebenbei den Blend. Heute wird Lavazza in mehr als 140 Ländern getrunken. Im Lavazza-Hauptquartier riecht es nach Schokolade, Nüssen, Zitrusfrüchten und natürlich nach Kaffee. Museum, Ausbildungszentrum und Firmenzentrale erzählen die Geschichte einer Marke, die es sogar bis auf die ISS geschafft hat. Rund 35.000 Baristas besuchen jährlich die Trainingszentren des Unternehmens. Denn auch hier gilt: Ohne Könner an der Maschine wird aus guter Bohne kein guter Caffè.

Nächster Halt: Turin. Der Mokka erreicht die Heimat von Lavazza. Seit 1895 ist die Geschichte des Kaffeeunternehmens eng mit der Stadt verbunden.

Für Marco Amato, den Museumsleiter, ist Kaffee ohnehin mehr als ein Getränk. Er ist ein kurzer Halt im hektischen Alltag. Ein Moment, bevor es weitergeht. Vielleicht erklärt das auch, warum Italiener ihren Caffè selten im Pappbecher davonschlürfen. Sie bleiben kurz an der Bar, grüßen den Barista, trinken drei Schlucke – und gehen dann weiter.


Zum Abschied wartet ein Caffè, der eher nach Michelin-Stern als nach Autobahnraststätte schmeckt. Perfekte Bohne, perfektes Wasser, perfekte Maschine, perfekte Barista. Dazu gibt es Kaffee-Kaviar. Der Mokka könnte draußen eigentlich stehen bleiben.

„Caffè ist mehr als ein Getränk. Vielmehr ein kurzer Halt im hektischen Alltag.“

– Marco Amato, Lavazza-Museumsleiter –

Vor dem Lavazza Museum trifft der Mokka auf eine rote Kannen-Skulptur. Drinnen wartet Kaffeegeschichte satt.
Sieht aus wie Kaviar, schmeckt nach Kaffee – beim Tasting zeigt sich der Caffè auch von seiner überraschenden Seite.
Zurück ins Jahr 1884: Auf der Turiner Industrieausstellung feierte eine frühe Espressomaschine Premiere.
Draußen Mokka, drinnen Lavazza: Moderne und historische Kaffeegeschichte auf Rädern treffen aufeinander.
Museumsleiter Marco Amato führt durch die Geschichte – und durch eine italienische Alltagskultur.
An der Tasting-Bar erfahren Besucher, wie unterschiedlich Kaffee schmecken kann – und worauf es beim Verkosten ankommt.
 

Doch irgendwann ist auch der beste Caffè zu viel. Über den Gotthard geht es zurück Richtung Norden, mit einem letzten Stopp in Basel. Bei den „Kaffeemachern“ zeigt Felix Hohlmann, deutscher Barista-Meister und Kaffee-Botschafter, dass guter Espresso längst nicht mehr südlich der Alpen beginnt. Seine Kunden bringen sogar ihre eigenen Siebträgermaschinen zum Kurs mit.

Zurück Richtung Norden: Über den Gotthard geht es in die Schweiz. Ein paar Schneefelder später wartet in Basel der letzte Caffè dieser Reise.

Gute Kaffeekultur ist längst nördlich der Alpen angekommen.

Felix Hohlmann von den Basler Kaffeemachern ist zweifacher Deutscher Barista-Meister – zuletzt holte er 2026 den Titel.
Am Anfang steht die Bohne: Herkunft, Sorte, Aufbereitung und Röstung entscheiden mit darüber, was später in der Tasse landet.

Die deutsche Kaffeekultur verändert sich. Nach Filterkaffee, Vollautomaten und Starbucks interessieren sich immer mehr Menschen für Herkunft, Ernte, Fermentation und Röstung. Die vierte Kaffeewelle rollt. Und wer nach all den Stationen trotzdem noch Sehnsucht nach Italien hat, muss nur wieder ins Auto steigen. Rund 900 Kilometer sind es von Deutschlands Norden bis Fiorenzuola d’Arda. Dort läuft die Espressomaschine im Autogrill rund um die Uhr.


Einsteigen, bestellen, drei Schlucke. Und weiter.


September 2026

Text und Fotos: Dani Heyne