From Finland to Rüsselsheim: The Kadett D takes Jukka Mustonen and his sons to the origin of the brand.

Ein finnischer Kadett auf Heimatbesuch

Der Anlass ist unspektakulär. Ein Probealarm schickt Mitarbeiter aus dem Adam Opel Haus ins Freie. Während man auf die Entwarnung wartet, schweift der Blick über den Parkplatz. Zwischen Astra, Grandland und Mokka steht ein Kadett D. Ein seltener Anblick. Baujahr Anfang der Achtziger, also gut vier Jahrzehnte alt.

Kenner wissen, was dieses Modell bedeutet. Der Kadett D kommt 1979 auf den Markt. Bis 1984 laufen 2,1 Millionen Exemplare in Bochum und im britischen Ellesmere Port vom Band. Er markiert einen Wendepunkt in der Opel-Geschichte: erster Kompakter mit Frontantrieb und Quermotor, dazu ein damals neuartiges Schrägheck-Design.

2.500 Kilometer Anreise – und dann kein „Opel-Museum“?

44 Jahre alt und voll einsatzfähig: Dieser Opel zeigt, dass ein gut gepflegter Klassiker auch heute noch lange Strecken meistern kann.
Außen kompakt, innen geräumig: Der Kadett D trägt vier Erwachsene und ihr Reisegepäck bis nach Rüsselsheim.
Sachlich, übersichtlich, auf das Wesentliche reduziert: Das Cockpit des Kadett D folgt der klaren Logik seiner Zeit.
Die höhenverstellbare Kopfstütze ist Teil der zeitgenössischen Sicherheitsausstattung des Kadett D.
Bewährte Technik unter der Haube: Der Motorraum – ein Beleg für solide Ingenieursarbeit.

Das Kennzeichen verrät eine weitere Besonderheit: „KEU-536“. Finnland. Ein Klassiker, der den weiten Weg aus dem Norden auf eigener Achse zurückgelegt hat? Ein kurzer Austausch später ist klar: Vor dem Gebäude steht Familie Mustonen aus Kajaani, einer Stadt im Herzen Finnlands. Vater Jukka und seine drei Söhne Patrik, Kasper und Kalle sind mit ihrem Kadett D, Baujahr 1982, bis nach Rüsselsheim gefahren.

Die Begeisterung für Opel hat in der Familie Tradition. „Mein Vater ist Opel-Fan, das hat er von meinem Großvater“, erzählt der 17-jährige Kasper. Der Kadett gehört früher einem Kunden, von dem ihn der Vater übernimmt. Ein Auto wie aus der eigenen Jugend. Und dann die Idee: einmal dorthin fahren, wo Opel seinen Ursprung hat. Die Söhne sind sofort dabei.

Die Enttäuschung währt nur kurz – dann öffnet sich eine Tür.

Markenhistorie zum Anfassen: Jukka Mustonen nimmt im Ascona 400 Platz.
Opel Classic-Experte Jens Cooper (rechts) hat für die weit gereisten Gäste die Tore geöffnet.
Besonders die Exponate der Motorsport-Historie begeistern die finnischen Besucher.
Am Opel Diplomat werden Erinnerungsfotos gemacht.
Auch eine Probesitzen im Opel GT lassen sich die Gäste nicht entgehen.

Mehr als 2.500 Kilometer liegen bereits hinter ihnen. Start in Kajaani, dann Helsinki. Mit der Fähre nach Tallinn, weiter durchs Baltikum, Polen und Tschechien bis nach Deutschland. Das Ziel ist klar: das Opel-Museum. Doch das gibt es in dieser Form nicht. Die historische Sammlung von Opel Classic auf dem Rüsselsheimer Werksgelände ist nicht öffentlich zugänglich. Die Enttäuschung ist groß. Die Anreise ist geschafft – und nun das?

Doch die Reise endet nicht am Werkstor. Ein kurzer Austausch, ein Anruf – und dann öffnet sich eine Tür: Opel-Classic-Experte Jens Cooper hat zwar einen vollen Terminkalender, will die weitgereisten Fans aber nicht enttäuschen. Er lädt sie zu einer spontanen Führung durch die Geschichte der Marke ein. Zwei Stunden lang tauchen die vier Finnen in die Opel-Historie ein. Sie sehen Klassiker aus allen Epochen, dazu Fahrräder, Motorräder, Haushaltsgeräte von Frigidaire und historische Dokumente. Ein Streifzug durch mehr als 160 Jahre kuratierter Industrie- und Markengeschichte.

Markengeschichte wird lebendig, wenn man sie teilt – die Mustonens in der Sammlung von Opel.

Roadtrip mit Happy End: Vater Jukka und seine Söhne Patrik, Kasper und Kalle entdecken in der Rüsselsheimer Sammlung einen Opel Kadett D.

Besonders beeindrucken die frühen Modelle: Lutzmann, der Doktorwagen, das legendäre „Grüne Monster“. Aber auch die Sportlichen bleiben in Erinnerung – der GT, erfolgreiche Rennfahrzeuge wie der Calibra V6 oder die 440 PS starke Astra-OPC-Studie „X-treme“.

Nach der Führung treten die Mustonens zufrieden den Rückweg an. Er führt über Dänemark und Schweden zurück nach Finnland. Am Ende stehen 5.740 zusätzliche Kilometer auf dem Tacho. Der Kadett meistert sie souverän. „Nur auf den letzten Kilometern müssen wir etwas Kühlmittel nachfüllen, die Zylinderkopfdichtung ist nicht ganz dicht“, sagt Kasper.

Im Alltag wird der Klassiker deutlich schonender bewegt. Einkäufe, kurze Ausflüge, meist nur im Sommer. Eine solche Tour erlebt der Kadett seit Jahrzehnten nicht mehr. Geblieben sind viele Erinnerungen. Und die Gewissheit: Dieser Kadett D gehört noch lange nicht ins Museum.


Januar 2026

Text: Eric Scherer, Fotos: Andreas Liebschner