As awesome as it is rare: the Opel Omega Evolution 500, a DTM sedan for the road with widened mud flaps and modified fenders for increased downforce.

„Da kommt kein
Porsche mehr mit“

Verfechter von Political Correctness in allen Lebenslagen möchten wir warnen: Sobald Herbert Gockel Geschichten über seine Leidenschaft zum Besten gibt, muss man den Warnhinweis „Zur Nachahmung nicht empfohlen“ voranstellen. Wenn er mit dem dialektischen Einschlag seiner niederrheinischen Heimat davon erzählt, wie er als 10-Jähriger das Autofahren gelernt hat, schildert, wie er als Jugendlicher das Ausbalancieren eines Fahrzeugs auf zwei Reifen perfektioniert hat oder sich freut, wie er auf der A7 ein Quartett von Porsche-Fahrern erfolgreich „abgearbeitet“ hat – Herbert Gockel war und ist nun einmal „total jeck“, wenn es um Autos im Allgemeinen und seinen Omega Evolution 500 im Speziellen geht. Der 67-Jährige ist seit 27 Jahren stolzer Besitzer einer solchen Rarität – und noch so stolz und glücklich damit wie am ersten Tag.

Stolzer Besitzer: Der studierte Wirtschafts- und Fertigungstechniker arbeitete vier Jahrzehnte lang als Spezialist für Energieversorgung. Seine Leidenschaft für Autos lebt er mit dem Omega Evolution 500 aus.

„Wenn du da bei 120 km/h
noch mal Gas gibst, kommt
kein Porsche mehr mit.“

Mit dem Verantwortungsbewusstein des langjährigen EVO 500-Klubvorsitzenden, der weiß, „dass man sowas heute ja nicht mehr erzählen darf“, fügt er an: „Bei der Porsche-Sache ging alles sehr fair zu.“ Die Fahrer hätten sogar ein Daumen-Hoch gegeben, als er sie überholt hatte. Hätten sie sich Gockels Omega EVO 500 eingehender anschauen können, hätten sie gesehen, dass die Rennmaschine des Vierseners nicht irgendeine aus der ohnehin schon exklusiven Reihe ist.

Zweite Haut: Gockel und Opel.

Top-of-the-Line-Modell
mit 270 km/h in der Spitze

Es ist das Top-of-the-Line-Modell mit 4.0 Liter-Reihenmotor, 24 Ventilen, sechs Zylindern und 272 PS (200 kW). Und da Herbert Gockel den Heckflügel seines EVO 500 noch ein wenig flacher angewinkelt hat als im Auslieferungszustand üblich, schafft der Sechszylinder-Reihenmotor 270 km/h Spitze. Es ist zu spüren: Herbert Gockel und der Omega Evolution 500 sind füreinander bestimmt.

Dabei hat der 67-Jährige schon immer ein Faible für die Marke mit Blitz. Kadett Olympia, Rekord C und D, Commodore A und B, Manta, Ascona C – er hat sie alle gehabt. Schon sein Vater arbeitete bei Opel Dohmen in Viersen als Verkäufer, und das sehr erfolgreich – Hans Gockel stand sogar öfter auf den Bestenlisten der bundesweiten Händlervergleiche.

TECHNISCHE DETAILS

Modell: Omega A EVO 500 4.0i

Eine Rennmaschine mit Straßenzulassung: Der gewaltige Heckflügel fährt ab 80 km/h selbstständig aus, seine endgültige Position erreicht er bei etwa 140 km/h.
Geschmiedete Kolben: Der Motor ist bis jenseits der 10.000 Umdrehungen pro Minute standfest.

Opel Omega Evolution 500

Das 1990 und 1991 gebaute Homologationsmodell war eine Weiterentwicklung des Omega 3000 24V. Es bildete die Basis für eine Rennmaschine, mit der Opel in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft starten wollte. Den Vorgaben gemäß mussten zuvor 500 Exemplare in Serie hergestellt werden, da die DTM zu keinem Wettbewerb für Prototypen ausarten sollte.

Baujahr: 10/1991
Motor: C40SE
Zylinder: Sechszylinder-Reihenmotor, 24 V
Hubraum: 3983 ccm
Max. Leistung: 272 PS bei 5800 U/min
Drehmoment: 395 Nm bei 3300 U/min
Verdichtung: 10,0 : 1
Einspritzung: Bosch Motronic M1.5

Höchstgeschwindigkeit: 270 km/h bei flachem Heckspoiler        
Beschleunigung: 5,8 s  0 bis 100 km/h     
Neupreis: 115.000 DM

Abmessungen
Länge: 4742 mm
Breite: 1775 mm
Höhe: 1422 mm

Reifen: 235/40 ZR 18
Felgen: ATS 8J x 18H2 ET 30
Heckspoiler: Höhe automatisch, fährt je nach Geschwindigkeit aus, mit einstellbarem Neigungswinkel und ausstellbarem Zusatzflap
Frontspoiler: mit manuell einstellbarem Zusatzflap           

Der Omega A-Caravan, den sich Herbert Gockel als bereits gestandener Familienvater zulegte, wies einige Indizien auf, die belegten, dass ihm eigentlich der Sinn nach etwas richtig Sportivem stand: Räder, Kühlergrill und Lenkrad von Opel-Tuner Irmscher. Und als er 1994 als stolzer Besitzer eines Senator auf dem Hof von Opel Dohmen vorfuhr, um sich den gerade neu gelaunchten Omega B anzusehen, geschah es: Da stand dieser Omega Evolution 500 auf dem Hof. Schwarz, breit und stark. Der hatte alles, was Herbert Gockel sich immer von einem Auto erträumt hatte. Und nach einer einzigen Probefahrt war klar: Den musste er haben. Gegen alle Widerstände.

So muss ein Auto aussehen:
Schwarz, breit und stark

Autohaus-Chef Dohmen hatte das Modell eigentlich für sich selbst reserviert, gab aber nach, als er einsah, dass er doch lieber Fahrzeuge mit Automatik-Getriebe fuhr. Die härteste Nuss, die Herbert Gockel zu knacken hatte, war ausgerechnet Papa Hans, das Verkaufsgenie. Der stellte sich total quer. „Für ihn war der EVO 500 ein Groschengrab, weil er seiner Meinung über keinen ordentlichen Wiederverkaufswert verfügte.“ Irgendwann gab dann aber auch der Papa nach. Bis zu seinem Tod 1999 saß er dann auch immer mal auf dem Beifahrersitz der Rennmaschine, wollte aber niemals selbst hinters Steuer: „Und das, obwohl er selbst ein sehr rasanter Fahrer war, von ihm habe ich ja dieses Talent.“

Veredelung in Remshalden: Fertige Exemplare des Omega 3000 24V nahm Opel seinerzeit aus der laufenden Produktion und lieferte sie zu Irmscher.
Top gepflegt: Zur Ausstattung gehören auch Recaro-Sitze.

Ab dem Jahr 2000 wurde Herbert Gockel ein Vectra Caravan als Dienstwagen zugeteilt, seither dient ihm sein EVO 500 ausschließlich als Freizeitauto, das sorgsam gepflegt wird. 2006 hat er sich eine neue Auspuffanlage besorgt, in Finnland: „Da hab ich Opelaner entdeckt, die sind genauso jeck wie ich.“ Die Schonung macht sich bemerkbar: „Nach 27 Jahren habe ich lediglich 113.000 Kilometer auf dem Tacho“. Bewegt wird der Augenstern meist nur gemeinsam mit Gleichgesinnten. Vor 21 Jahren ist Herbert Gockel dem „Opel EVO Club“ beigetreten, 2007 wurde er zum Vorsitzenden gewählt. Und das ist er bis heute. Und gerne.

Die Sehnsucht nach
neuen Abenteuern

„Wir sind 54 Mitglieder, das ist schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass heute gerüchtehalber nur noch etwa 120 EVO 500 existieren.“ Der Club nimmt allerdings auch Besitzer der engen Verwandten auf: dem Lotus Omega und dem Irmscher-Omega 4.0i, die als weitere exklusive Variante des Opel Oberklasse-Modells ebenfalls 1991 in geringen Stückzahlen produziert wurden.

Für Herbert Gockel ist jeder einzelne gefahrene Kilometer in den vergangenen 27 Jahren ein Fest: Es ist „die blitzartige Leistungsentfaltung ohne erkennbare Drehzahlgrenze, die den Fahrspaß ausmacht“, so der Klubvorsitzende.

Vor Corona waren die Clubmitglieder regelmäßig bei Veranstaltungen dabei. In besonders lebhafter Erinnerung ist Herbert Gockel eine Ausfahrt durch die Dolomiten 2017 geblieben: Gut ein Dutzend Evolution 500 und Lotus Omega hintereinander, insgesamt 1.188 Kilometer gemeinsam durch die Alpen, über 34 Pässe und durch geschätzt 4000 Kurven. „Das war schon ein Erlebnis.“

Das Erbe ist geregelt – der Enkel steht bereit

Und einen Erben für seinen EVO 500 hat Herbert Gockel auch schon ausgemacht. Enkel Henri ist gerade mal zwei Jahre alt, aber ebenfalls schon „total jeck“, wenn es um Autos geht. „Wenn er 18 ist, bin ich 83“, hat der Opa bereits ausgerechnet. Die feierliche Fahrzeugübergabe im Jahr 2037 ist bereits fest eingeplant.

Gockel Inside: In seiner Jugend liebäugelte der Viersener mit einer professionellen Rennfahrer-Karriere, entschied sich dann aber doch für ein Studium.

April 2021

Text: Eric Scherer, Fotos: Dominik Asbach