Geburtsort: Opel Ascona

Nayla schläft in den Arm ihrer Mama gekuschelt, ein feines Lächeln huscht über ihr Gesicht. Nadya Ouariach streicht ihrer Kleinen über die Wange. „Unser Start war ganz schön aufregend“, sagt die Mama. Fast vier Monate liegen die aufregenden Minuten der Geburt inzwischen zurück. Eine Ankunft, die für einigen Trubel gesorgt hat, diverse Tageszeitungen und Fernsehsender haben darüber berichtet. Denn: Die kleine Nayla ist in einem Opel Ascona zur Welt gekommen. Auf dem mit Breitcord bezogenen Beifahrersitz. Am 31. Mai war das, um Punkt 10 Uhr.

„Der Kleinen und mir geht es bestens.

Nadya Ouariach

Das Wichtigste: „Der Kleinen und mir geht es bestens“, sagt Mama Nadya. „Auch wenn der erste Schreck groß war“, ergänzt der Vater Sam Khayari. Doch wie kam es überhaupt zu dem turbulenten Ereignis? Inzwischen haben die frisch gebackenen Eltern aus Rüsselsheim eine gewisse Routine darin, die entscheidenden Minuten zu schildern: Am 31. Mai hatte Nadya Ouariach einen Termin bei der Frauenärztin in Raunheim, ein Routinetermin drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. „Da ich kurzfristig Zeit hatte, habe ich meiner Frau spontan vorgeschlagen, dass ich fahre. In meinem Wagen, um anschließend in Mainz noch einen Kaffee zu trinken“, erinnert sich der Vater. Ein Glück. Denn auf dem Weg setzen die Wehen ein, sie werden immer stärker, 500 Meter vor der Frauenarztpraxis platzt die Fruchtblase.

Stolze Eltern: Die kleine Nayla kam mit 2.650 Gramm Gewicht und 46 Zentimeter groß zur Welt.

„In einem solchen Moment gehen einem alle Gedanken auf einmal durch den Kopf. Weiter zur Praxis oder doch in die Uniklinik?“ Der werdende Vater entscheidet sich für Ersteres, stellt den Ascona auf dem Bürgersteig ab und sprintet Richtung Praxis. Als er merkt, dass die Geburt bereits in vollem Gange ist, hastet er zurück zu seiner Frau, und erlebt wie seine Tochter auf dem Beifahrersitz das Licht der Welt erblickt. Als die von einer Passantin herbeigeholte Frauenärztin ihren Kopf zur Beifahrertür hereinsteckt, hält die Mutter ihr Baby bereits im Arm. Mit einem herbeigerufenen Krankenwagen geht es ins Krankenhaus. Schon nach kurzer Zeit die Entwarnung: Mutter und Kind geht es gut.  

„Opel spielt bei uns in der Familie eine wichtige Rolle.

Sam Khayari

Gute-Nacht-Geschichten mit Opel

Wenn er davon berichtet, ist Sam Khayari der Schrecken noch immer anzuhören, „doch Nayla geht es prächtig, ihre großen Geschwister sind ganz vernarrt in die Kleine.“ Dass Nayla in einem Opel zur Welt gekommen ist, ist eng mit der Familiengeschichte des 42-Jährigen verknüpft. Sein Großvater kam in den 60er-Jahren als Gastarbeiter aus Marokko nach Rüsselsheim, um bei Opel zu arbeiten, sein Vater hat 40 Jahre als Sattler im Unternehmen gearbeitet. Zwei Jahre ist es her, dass er in den Ruhestand gegangen ist. Und für den jungen Sam, der als Gute-Nacht-Geschichte immer nur die Texte aus dem mit Leder eingebundenen Buch „Opel. Räder für die Welt“ vorgelesen bekommen wollte, war immer klar: Auch ich werde bei Opel arbeiten.

Der gelbe Ascona war schon immer eine Art Markenzeichen der Rüsselsheimer Familie. Seit der Geburt von Nayla erst recht.

Dass es dann nach dem Abitur und diversen Praktika bei Opel, unter anderem in der Motorenentwicklung, anders kam, hängt mit dem künstlerischen Talent zusammen, dass er zu dieser Zeit entdeckte. Heute arbeitet er als freischaffender Künstler, Maler, Fotograf und Dichter. Die Liebe zu Opel, die ist geblieben. So hat er sein Atelier im Opel-Altwerk bezogen. Und dann ist da natürlich der Opel Ascona, in dem seine Tochter zur Welt gekommen ist.

Faible für bodenständige Autos

Schon als kleiner Junge hat er zusammen mit seinem Vater an unzähligen Nachmittagen und Wochenenden an Opel-Autos geschraubt. Und als vor ein paar Jahren die Entscheidung anstand, sich ein neues Auto zuzulegen, verfestigte sich der Wunsch, sich eines aus Kindertagen zuzulegen. „Ein Opel GT hätte mir zwar auch gefallen, aber es sollte etwas Schlichtes ein. Ich habe ein Faible für unprätentiöse, bodenständige Autos“, schildert er. Als er dann den gelben Ascona B mit dem Baujahr 1979 fand, seinem Geburtsjahr, war klar, der muss es sein. Seither fährt der Künstler seinen Ascona, tagtäglich, ganz normal als Alltagsauto. Allerdings wird das Kulturgut gut gepflegt.

Sam Khayari ist stolz auf sein kleines Mädchen.

So hatte der Rüsselsheimer für Anfang Juni zufällig einen Termin bei dem Autopfleger seines Vertrauens ausgemacht, um mal wieder den Innenraum des Youngtimers reinigen zu lassen. Als der Inhaber der Werkstatt die Geschichte der Geburt hörte, die wenige Tage zuvor auf dem Beifahrersitz stattgefunden hatte, spendierte er die Reinigung als Geburtsgeschenk. Und nicht nur das eine Mal, sondern auf Lebenszeit. Noch ein Ansporn mehr, den Opel Ascona in Ehren zu halten. Zumal das Modell schon einmal eine wichtige Rolle in der Familiengeschichte gespielt hat. Denn auch Nadya Ouariachs Bruder ist in einem Ascona zur Welt gekommen. Fast 40 Jahre ist das her. „Künftig gibt es bei Familienfeiern eine zweite Ascona-Geburtsgeschichte. Eine, die wir uns noch sehr lange erzählen werden“, sagt Nadya Ouariach lachend.


September 2021

Fotos: Alex Heimann