Beim E-Cannonball
ist der Manta los

PROLOG 4. E-Cannonball 2021. 73 E-Autos und Zweiräder samt Fans und Besitzer füllen am Nachmittag des 24. September den Parkplatz eines großen Hotels südlich von Berlin. Der Parc fermé des leisesten Rennens des Jahres. Die Teilnehmer sind aufgekratzt, tauschen sich aus, fachsimpeln – und freuen sich, am nächsten Morgen gegen sechs Uhr am Start zu stehen. Um nacheinander die einmalige Vergleichsfahrt zu starten. Es geht von Berlin nach München. Die 73 Fahrzeuge wurden dafür in drei Klassen eingeteilt, abhängig von der Leistung ihres E-Mobils. Die Route ist frei; unterwegs gilt es Prüfungen zu bestehen. Sieger ist also nicht, wer zuerst ankommt.

WAS HABT IHR EUCH VORGENOMMEN? Jedes Team wird vor dem Start vorgestellt und von den Organisatoren interviewt. Das übernimmt in unserem Fall Opel Brand Manager Peter Junghanns, der den Umbau des konventionellen Manta in einen ElektroMOD in Rüsselsheim begleitet hat. Und sich noch immer wie ein Kind über das Auto freut. Ehrensachse, dass wir uns das Cockpit teilen. Für Peter ein großer Moment: „So viel Kilometer hat der GSe seit seinem Umbau noch nicht am Stück abgespult. Ich bin aber sicher, das bekommt der Manta locker hin.“

ES GEHT LOS! Samstag, 25. September. 6:30 Uhr steht der Manta GSe am Start. Ihm fliegen hier die Herzen nur so zu, klar: Ein Hero aus den 1970er Jahren, wunderbar restauriert und optimiert. Mit E-Herz, manueller Handschaltung, vollem Vizor-Grill und klassischem Heckantrieb. Die meisten hier feiern den Opel, weil er ein Showcar ist – das funktioniert. Und sogar bei so einem Rennen dabei sein darf. Obwohl er gar nicht dafür gebaut wurde. Daher hat er weder ein Schnelllade-System (DC-Lader mit max. 9kW) an Bord, noch Übermengen an Akkus (31kWh). „Na und“ raunt es aus der Menge. „Dafür wird er hier Sieger der Herzen.“

STILVOLL Da Peter eindeutig das bessere Outfit trägt, darf er als erster hinters Steuer. Wenn alles rund läuft, zapft der Manta in Dessau das erste Mal Strom. Ach ja, die Jacke … hat Peter extra bei ebay ersteigert. Nach vier Vollwäschen war dann auch der intensive Zigaretten-Geruch Geschichte …

ROADMOVIE So einen Anblick will die Sonne natürlich nicht verpassen. Unser Start wird von einem wunderbaren Sonnenaufgang begleitet. Wir lenken den ElektroMOD Richtung A9 – und lassen ihn mit Tempo 105 dahin gleiten. Was für den 255 Newtonmeter starken Synchronmotor ein Klacks ist. Mal wieder wird deutlich, wie gut der E-Antrieb dem Oldtimer steht. Stabil und leise kommen wir Dessau näher – und kassieren sogar den vor uns gestarteten E-Mustang aus 1965. Offensichtlich verfolgt sein Team eine andere Strategie und surft im Windschatten eines Lkw.

KUNST TRIFFT HANDWERK In Dessau geht’s am Bauhaus-Museum vorbei. Dank der frühen Uhrzeit sind die Straßen hier noch leer, wir nehmen ein Foto mit – und steuern auf direktem Wege das Autohaus Böttche an. Ein freundlicher Opel-Vertragshändler, dessen Team uns bereits erwartet. Der Manta bekommt Strom. Wir leckeren Kaffee. Danke Jungs!

REICHWEITE 330 KM – STICH! Wir wussten, dass die Ladephasen ungefähr doppelt so lang sein werden wie unsere Sprints. Bedeutet: eine Stunde fahren, zwei Stunden Strom tanken. Wie erwähnt liegt das nicht am Manta GSe, sondern an seiner Mission. Er ist ein Showcar mit TÜV-Segen. Kein Schnelllader. Kein Reichweiten-Monster. Dafür kommt er überall an. Das erleben wir, wo immer das Coupé auftaucht. Und wenn Langeweile beim Nachladen aufkommt, zocken wir eine Runde E-Autoquartett. Noch gewinnt der Peter …

ENTSPANNT REISEN Weiter geht’s. Immer weiter Richtung Süden. Autobahn und Landstraßen im Wechsel – je nachdem, was uns schneller nach München bringt. Der ElektroMOD saust leise und fehlerfrei durchs Land, erntet Lächeln und aufrechte Daumen. Der zweite Ladestopp verläuft ähnlich unauffällig wie der erste. Die Akkus scheinen kein Problem mit dem Einsatz zu haben. Wir auch nicht.

WIR LADEN, MOKKA-E KOMMT INS ZIEL Der freundliche Opel-Händler Exner in Hof hat eigentlich längst Feierabend, als wir ihn Samstag am späten Nachmittag erreichen. Doch für den Manta GSe gibt’s eine Ausnahme. Team Opel hält zusammen. Es gibt frischen Strom und kühle Getränke. Derweil wird im Ziel in München bereits der Fahrer des später gestarteten Opel Mokka-e interviewt. Und wir senden – per Liveschalte – Glückwünsche an Jan Gleitsmann und Fabian Mechtel. Die beiden sind in dem von Opel zur Verfügung gestellten Mokka-e als Erste des gesamten Feldes über die Ziellinie gerollt. Knapp dahinter, ein Opel Corsa-e. Läuft für Opel!

FAHRTRICHTUNG SÜDEN Zuversichtlich dirigiert Peter den GSe. Was er da noch nicht weiß? Dass der Manta doch noch zwei Ladestopps benötigten wird – und ihm kurz vor Mitternacht La-Ola-Wellen zufliegen. Die anderen Fahrer zollen Team Manta GSe ihren Respekt. „Ihr habt das Baby sicher ins Ziel gebracht“. Oh ja! Das haben wir.

SCHÖNE AUSSICHTEN Die Sonne verneigt sich. Es sind nur noch drei Teams auf der Strecke. Der Rest freut sich bereits auf die Siegesfeier. Mit 105 km/h sausen wir München entgegen. Wenn alles gut läuft, braucht der Manta nur noch einmal eine Ladesäule …

EPILOG Und während wir noch unterwegs sind, feiert das Mokka-e-Team bereits. Jan Gleitsmann, der Macher von Ausfahrt-TV, sendet seine Grüße an die Opelaner: „Vielen Dank an das Team von Opel, dass uns den Mokka-e noch so fix klar gemacht hat. Wir hatten Spass! Und konnten unser Ding machen.“


Oktober 2021

Text und Fotos: Dani Heyne