Über 800 PS, permanenter Allradantrieb und eine Rekuperationsleistung von bis zu 700 kW: Der Opel GSE 27FE markiert den Beginn einer neuen Formel-E-Generation. Seine größte Besonderheit verbirgt sich jedoch nicht unter der Karosserie, sondern auf ihr. Denn der Prototyp macht Geschwindigkeit sichtbar – noch bevor sich die Räder drehen. Als Leiter Opel Global Brand Design (GBD) verantwortet Pierre-Olivier Garcia die visuelle Identität der Marke Opel – von den Fahrzeugen über Architektur und Messeauftritte bis hin zum Motorsport. Gemeinsam mit seinem Team in Rüsselsheim übersetzt er das Designprinzip „Bold and Pure“ erstmals in den elektrischen Hochleistungs-Motorsport.
Design beginnt zu erzählen
Für „POG“, wie ihn die meisten Kollegen nach seinen Initialen nennen, beginnt Design nicht mit einer Skizze. Sondern mit einer Geschichte. „Es beginnt immer mit dem Storytelling“, sagt er. Bereits beim Mokka GSE Rally wurde Geschwindigkeit in Pixel übersetzt – kleine „Schotterpartikel“ aus Energie, die sich hinter dem Fahrzeug aufzulösen scheinen. Mit dem Formel-E-Rennwagen entwickelt sich diese zu einer neuen Form der Bewegung weiter. Nicht als Bruch, sondern als konsequente Evolution. „Für uns musste sich das wie eine natürliche grafische Weiterentwicklung anfühlen.“ Deutsches Design, so Garcia, denkt nicht in Revolutionen, sondern in präzisen Schritten. „Bold and Pure“ ist dabei mehr als ein Gestaltungsprinzip. Es ist ein kreativer Kompass, der Selbstbewusstsein ausstrahlt.
„Für uns beginnt Design nicht mit einer Linie. Es beginnt mit dem Storytelling.“
– Pierre Olivier Garcia, Opel Global Brand Designer –





Die neue GEN4-Generation beschleunigt mit einer Wucht, die selbst erfahrene Rennfahrer beeindruckt. „Er kommt so schnell aus der Kurve heraus, dass man nicht einmal Zeit hat, ‚OMG!‘ zu sagen“, erzählt Garcia. Die Verbindung zur gemeinsam mit dem Brand Marketing entwickelten OMG!-GSE-Kampagne liegt auf der Hand und wird in reine Rennstrecken-Performance übersetzt. Daraus entsteht ein Satz, der das gesamte Design prägt: „OMG! In a blink.“ Die Suche nach dieser visuellen Sprache hat über Skizzen, 3D-Modelle und zahllose Entwurfsschleifen geführt – immer im engen Austausch mit den Kollegen vom Brand Marketing und Motorsport. GGemeinsam mit seinem Kreativpartner Daniele Martini entwickelt Garcia schließlich die fließenden Linien, die sich von der Fahrzeugnase bis zum Heck ziehen. Ergänzt werden sie durch eine markante gelbe Fläche – den visuellen Energiekern des Fahrzeugs. „In diesem Moment wurde der Opel GSE 27FE sofort wiedererkennbar und sah plötzlich schnell aus – selbst im Stand.“
Tempo wird sichtbar
Was auf den ersten Blick wie ein grafisches Muster wirkt, folgt einer klaren Idee. Die sogenannten „Lightspeed“-Grafiken verleihen dem Fahrzeug Dynamik – selbst im Stand. „Stellen Sie sich Icons in Bewegung vor“, sagt POG. Der Weg dorthin ist fließend. „Es ist ein Dialog zwischen Intuition und Performance – niemals das eine ohne das andere.“ Zunächst analysieren die beiden Designer Proportionen, Haltung, Flächen und Charakter des Fahrzeugs. Erst danach entstehen Grafiken und Ikonografie. Die organischeren Formen des neuen GEN4-Rennwagens machen diese Aufgabe anspruchsvoller denn je. „Jede Linie muss härter arbeiten und absolut bewusst gesetzt sein – wie die perfekte Ideallinie auf dem Weg zum Scheitelpunkt.“
Der GSE 27FE soll nicht nur schnell sein. Er soll schon im Stand Tempo ausstrahlen.



Im Motorsport entscheidet Sichtbarkeit. Heute allerdings nicht mehr nur an der Rennstrecke, sondern ebenso auf Smartphone- und Tablet-Bildschirmen, in Onboard-Kameras und sozialen Netzwerken. „Heute geht es bei Farbe darum, den Bildschirm zu dominieren“, sagt Garcia. Das passt zu seiner Aufgabe: Als Leiter des Global Brand Design verfolgt er das Ziel, eine ganzheitliche und konsistente visuelle Identität zu schaffen – verankert in den Markenwerten von Opel und über alle Berührungspunkte der Marke hinweg erlebbar. Dabei spielt Gelb eine zentrale Rolle. Es fällt auf. Es bleibt im Gedächtnis. Und es knüpft an die eigene Geschichte an: Schon in den 1920er-Jahren lackierte Opel seine Rennräder gelb, um sich im Fahrerfeld besser abzuheben. Heute lebt diese Idee in der Formel E weiter.
Farbe als Bühne
Design endet allerdings nicht an der Karosserie. Während der Testfahrten arbeitet Garcia eng mit Ingenieuren und Testfahrerin Sophia Flörsch zusammen. Das Feedback aus dem Cockpit fließt direkt in das Gestaltungskonzept ein. „Gelb ist markant. Aber für die Fahrerin und den Fahrer muss die visuelle Umgebung absolute Klarheit bieten.“ Deshalb gehören auch Helm und Rennanzug zum Gesamtkonzept. Im Cockpit zählt Orientierung – nicht Ablenkung.

Lange existierte der GSE 27FE nur als Entwurf, virtuelles Modell und Computeranimation. In Fragmenten. Einzelnen Puzzleteilen. Dann kam der Tag der Weltpremiere auf dem Circuit Paul Ricard in Le Castellet. Der Rennwagen rollte aus dem Truck. Sophia Flörsch stieg ein. „Dann klickt plötzlich alles.“ Fahrzeug, Rennanzug, Helm und Boxengasse verschmelzen zu einem harmonischen Gesamtbild. Als der GSE 27FE wenig später auf die Strecke geht, folgt die eigentliche Bewährungsprobe. „Dann reagieren die Menschen. Sie sagen: ‚Wow.‘ Oder: ‚Oh my God.‘“
Wenn alles zusammenkommt
Garcia lächelt, wenn er davon erzählt. Für ihn ist das der schönste Beweis, dass das Design seine Aufgabe erfüllt. Fertig ist der Opel GSE 27FE damit allerdings noch nicht. Der Prototyp absolviert derzeit sein Testprogramm. Parallel entwickelt das Designteam jedes Detail weiter – vom Fahrzeug über Teamkleidung und Boxengestaltung bis hin zum Merchandise. Das finale Design wird Opel erst auf dem Pariser Autosalon 2026 präsentieren. Bis dahin bleibt der GSE 27FE genau das, was Garcia in ihm sieht: Ein Versprechen auf die nächste Evolutionsstufe von Grand Sport Electric.



Juli 2026